Als meine Frau Barbara und ich vor 10 Jahren angefragt wurden, ob wir es uns vorstellen könnten, bei einer Musikwoche für Jugendliche täglich einen Wortgottesdienst zu gestalten, waren wir doch sehr verwundert.

Ein täglicher Wortgottesdienst mit Jugendlichen zwischen 10 – 18 Jahren und das im Rahmen einer Werkwoche in deren Mittelpunkt eindeutig das gemeinsame Musizieren steht? Das stellt auch für einen Theologen mit Jugendarbeitserfahrung und eine Erzieherin eine echte Herausforderung dar.

Eine Herausforderung, der wir uns nun zum 10. Mal stellen und dabei immer neu erleben dürfen, wie bereichernd und befruchtend dieses gemeinsame Feiern für alle Beteiligten ist.

Durch die insgesamt 6 Gottesdienste einer Werkwoche begleitet uns immer eine biblische Gestalt oder eine Gestalt der kirchlichen Tradition, an deren Beispiel und Lebensweg wesentliche Aspekte menschlichen Lebens exemplarisch betrachtet werden.

So begleiteten wir in den Gottesdiensten der Werkwoche 2015 die Gestalt des Hl. Christophorus auf seinem schwierigen Weg vom ungestümen Draufgänger, der nicht weiß, was er mit seiner Kraft anfangen soll, bis hin zum helfenden Menschenfreund, der Christus letztendlich in der eigenen Ohnmacht begegnet.

Auf diesem Weg tauchten immer wieder Fragen auf, denen sich wohl jeder Mensch auf seinem Weg zum Erwachsenwerden immer wieder stellen muss.

„Welche Fähigkeiten habe ich? Und was soll ich mit diesen anfangen?“

„Welchen Sinn hat mein Leben?“

„Wer oder was ist Gott für mich?“

Um diese Fragestellungen für die Jugendlichen lebendiger werden zu lassen, arbeiten wir gerne mit Elementen der Visualisierung und Veranschaulichung. So stand in unserer Kapelle die ganze Woche über der große Stock des Christophorus und symbolisierte zuerst den „ungehobelten Klotz“ und später dann den kraftvollen Helfer. Aber auch traditionelle kirchliche Elemente haben einen festen Platz. So beginnen die Gottesdienste immer mit dem Entzünden er Osterkerze und enden mit dem gemeinsamen Vater Unser.

Bei aller thematischen Gestaltung, unsere Gottesdienste leben vor allem von der aktiven Teilnahme aller. So ist es immer wieder faszinierend zu erleben, welche große Bereitschaft bei den Jugendlichen vorhanden ist, sich aktiv in die Gottesdienste mit einzubringen, sei es durch Musikstücke, die im Lauf der Woche einstudiert wurden, sein es durch das Vorlesen von Texten und Fürbitten, die Beteiligung an Predigtgesprächen oder an kurzen Rollenspielen.

So sind diese Gottesdienste ein integraler Bestandteil der Osterwies geworden, die dazu beitragen, einen täglichen Versammlungsort und Ruhepol zu bieten, um der eigenen Mitte Raum zu geben. Und wir freuen uns, dass wir nun schon seit 10 Jahren unseren Anteil dazu beitragen können.

Barbara und Bernhard Kremmer