Beitrag zum Newsletter im Dezember 2016

Zum Ausdrucken und Nachlesen: Newsletter Dezember 2016

70 Jahre WerkGemeinschaft Musik – seit sieben Jahren bin ich Vorsitzende - ein Grund, innezuhalten und zu überlegen: was war die WGM in ihrer Anfangszeit – was ist sie heute – was soll sie werden?
Dazu blättere ich in der Dissertation von Karl Kühling, die sich mit der Arbeit der WerkGemeinschaft Musik seit 1946 beschäftigt (s.u.), lasse die gerade für 2017 geplanten Veranstaltungen vor meinem inneren Auge vorüberziehen und stelle Vergleiche an.

Im September 1946 kamen in Haus Altenberg im Erzbistum Köln erstmalig etwa 50 Teilnehmer, die in der „Singearbeit der Jugend“ tätig waren,  zu einer „Woche Neuer Geselligkeit“ zusammen. Im Mittelpunkt dieser Tagung stand das Singen, außerdem gab es geselliges Tanzen und Gottesdienstfeiern mit Prälat Ludwig Wolker, der Günter Bernert, seinen Mitarbeiter innerhalb der Hauptarbeitsstelle für Jugendseelsorge, dazu veranlasst hatte, zu dieser Veranstaltung einzuladen. Wolkers und Bernerts Anliegen war es, nach dem Krieg die Jugendarbeit in einem christlichen Geist wieder aufzubauen. Anfang Januar 1947 organisierte Bernert eine „Singeleitertagung“ in Altenberg, auf der die Teilnehmer beschlossen, als „Werkgemeinschaft Lied und Musik“  weiter zu arbeiten.

So vollzog sich bis in die 60er Jahre hinein die Jugendarbeit in der Fortbildung von Multiplikatoren – Singeleitern und Lehrern – , die begeistert die vielfältigen Anregungen zur Stimmbildung annahmen, Konzepte für die Liedeinstudierung kennenlernten, sich im Chorgesang übten, das Wort-Ton-Verhältnis der erarbeiteten Kompositionen diskutierten und neue Impulse für ihren Glauben erhielten. In Schule und Jugendarbeit gaben sie anschließend weiter, was sie bei der Werkgemeinschaft erlebt und erlernt hatten. „Singen – Spielen – Tanzen - Gottesdienst“ – diese Kerngedanken der musischen Erziehung waren wesentliche Komponenten dieser Schulungen der ersten Jahre und prägen auch 70 Jahre später das Profil der „Werkgemeinschaft Musik“ und ihrer Chor- und Orchesterwochen sowie der Tagungen für Kammermusik und alte Musik.

Die Zielgruppe der Tagungen hat sich inzwischen erweitert: außer Lehrern kommen Musikbegeisterte auch anderer Berufsgruppen und aller Altersgruppen. Die Jugend profitiert sowohl von den Erfahrungen, die ihre Lehrer, Chor- und Orchesterleiter bei der WGM machen, als auch durch eigenes Mitwirken im Tagungschor oder -orchester. Sie ist in der „Osterwies“ (für 10- bis 18-Jährige) unter sich und in den Chor- und Orchesterwochen Teil der generationenübergreifenden Teilnehmerschaft. Zu Veranstaltungen außerhalb der Schulferien wie z.B. dem „Wieser Musikherbst“ kommen vorzugsweise Senioren zusammen: hier wird eine Zielgruppe sichtbar, die – proportional zur steigenden Lebenserwartung unseres Jahrhunderts - in den kommenden Jahrzehnten anwachsen wird. Schon in den ersten Jahren der WGM sollte der Mensch – entsprechend dem christlichen Menschenbild – in seiner Ganzheit angesprochen werden. Die Begegnung mit Musik, Wort, Spiel, Tanz und Religion wird in den Tagungen „Kunst trifft Kunst“ und dem „Wieser Musikherbst“ von Architektur und Natur ergänzt.

Was die Gründungsväter vor 70 Jahren gesät haben, ist zu einer Früchte tragenden Pflanze, der heutigen Werkgemeinschaft Musik, heran gewachsen. Die Pflege und Förderung der kulturellen Bildung in christlichem Geist – mit Schwerpunkt auf der Musik - ist der zentrale Zweck, der seit 2011 auch in der Vereinssatzung festgehalten ist und im Angebot für junge Leute und Musikfreunde aller Generationen verwirklicht wird.

Ich stelle mir vor, dass die WerkGemeinschaft Musik in den kommenden Jahrzehnten weiter wachsen wird! Sie sollte die Veränderungen der Menschen, der Gesellschaft, der Bedeutung der christlichen Werte sowie der Musik im Blick halten und Konzepte suchen, mit denen sie auf diese auch im 21.Jahrhundert Einfluss nehmen kann. Dabei soll sie auch auf Menschen zugehen, die sich bisher nicht von ihrem Angebot angesprochen fühlten, und ihnen Orientierung anbieten:

Kann die WGM auch nicht musikalisch und religiös vorgebildete Kinder und Jugendliche ansprechen?
Kann die WGM Familien durch eine gemeinsame Begegnung mit Kultur und Religion unterstützen?
Kann die WGM Multiplikatoren wie JugendleiterInnen und ErzieherInnen zu musikalischen Fortbildungen einladen?
Kann die WGM sich mehr der zeitgenössischen Musik öffnen?

Ich würde mich freuen, wenn unsere Mitglieder sich in eine Diskussion über die Zukunft der WerkGemeinschaft Musik einmischen würden!

Ursula Bongard