Ein Mini-Epos zum Dank und Abschied (Wies 4 / 2017)

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Nenne mir, Muse, den Mann, den allgewaltigen Lenker
treuer und eifriger Scharen musikbegeisterter Menschen,
die mittels Saiten und Rohren so herrliche Töne erzeugen
zur Ehre des Höchsten im Himmel, zur Freude der Menschen zugleich.

Thomas Berg ist sein Name, des Orchesters glänzender Feldherr.
Einst in Trier er geboren, erwarb dort das Zeugnis der Reife,
folgte dann willigen Herzens dem Ruf von Athenas Eule
hin zu den Stätten der Weisheit, den Tempeln klingender Künste
in Würzburg am Main, in Kölle am Rhein, in Essen im Ruhrpott.

Lorbeerbekränzt saß er dann an der Mosel silbern Gestade,
dachte mit runzelnder Stirne, wohin das Schicksal ihn treibe,
spürte im Innern ganz sachte das Nahen der baldigen Wende.
Als nun erschien die rosenfingrige Röte des Morgens,
siehe, da eilte ein Bote herbei mit wichtiger Kunde:

„Auf in die Ferne, Gevatter, es harret deiner gar sehr
das lieblich Gefild’ dort in Bayern, das Pfaffenwinkel genannt.
Hier stehet auch die Wies, ein Kleinod, vom Himmel geschenkt.
Unweit entfernt bietet Heimat das stattliche Haus dort der Bildung.“

Flugs nimmt er an das Geschenk, bereitet für ihn von oben.
Dankbar erhob er die Hände und sprach die geflügelten Worte:
„Das Allgäu wird mir Erfüllung, die Wies erfreuet mein Herze.
Heimat und Hort soll sie werden, auch heischend all meine Kräfte.“

Sprach’s und forschte genau, wo selbiger Ort sich denn fände.
Meisterlich wirkt’ er fortan und ordnet der Musiker Spielen,
die zupfend, die streichend energisch der Saiten strammes Gespanne
oder blasend in Blech und langgezogenes Rundholz
die Ohren betörten und tief im Innern mein Herze berührten.
Welch glückliche Stunden mir waren in vielen Jahren beschert
durch des Orchesters so reiche,  ja himmlisch-betörende Klänge!

Dank dir für alles gebührt, der drin im Herzen entspringt!
Denn über Maßen ward mir geschenkt das Füllhorn der Freude,
die Himmelstür dort in der Wies, einen Spalt breit stand sie da offen.
Doch auch in ebendem Maße hin zu den treuen Gehilfen,
die wohl betreuten die Spieler, sie führten zu strahlenden Höhen:
Töne aus blechernem Rohr verwandelte Gerwin in Gold,
Vormann der Bläser aus Holz, Johannes, auch Meister der Pauke.
Werkgemeinschaft Musik, voll Dank gedenke ich deiner!
Und unvergessen Karl Berg, der mir die Musik hat erschlossen!

Rasch wie der Wolken buntes Gemisch durchpflüget die Sphären,
eilten die Jahre dahin, mit Singen und Klängen gefüllt.
Freudigen Mutes ich lebte mit der Gefährten emsigen Schar.
Für mich nun schließt sich der Kreis, auch Schönes muss einmal enden.

Und wie an römischen Brunnen quillet das Wasser in Schalen,
so strömet inniger Dank zum Leiter der werkigen Wochen.
Im Geiste erheb ich den Becher und hör, Thomas, was ich Dir sage:
Hätte Homer dich gekannt, der Verse Zahl wär’ unendlich,
so blieben nur dürre Worte des Dichterleins aus der Provinz,
der niemals die Wies wird vergessen, es bleiben zum Abschied die Worte:
Wünsche für Segen und Glück bekränzen üppig dein Haupt!

Meinrad Sauter