Sketch zur Abschlussfeier der Wies 4 2017

von Magdalene Schardt und Dürten John

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Bild "Wies4_MysterioeseVeranstaltung.png"
Fotos: Georg Ott-Stelzner

Mitarbeiterin tritt förmlich korrekt auf die Bühne

Guten Morgen, Grüß Gott, Moin,

Aus dem kühlen Norden, aus Flensburg, bin ich angereist. Da ist die Stimmung etwas kühler als jetzt gerade hier. FLENSBURG, das ist der Sitz einer bekannten Bundesbehörde, mit welcher einige von Ihnen bestimmt schon mal Kontakt hatten.
Sie haben heute alle ihre Teilnahmebescheinigung erhalten, die Ihnen diese Woche als Weiterbildungsveranstaltung gemäß den Richtlinien der Bundesrepublik Deutschland bescheinigt. Heute nun steht die Akkreditierung gerade dieser Veranstaltung als anerkannte Weiterbildung an. Ich möchte dazu gerne eine Teilnehmerin nach einem standardisierten Fragebogen befragen. Ich habe hier die Teilnahmebescheinigung von Frau Magdalene Schardt, dürfte ich Sie bitten nach vorne zu kommen und mir einige Fragen zu beantworten?

Frau Schardt tritt auf die Bühne

1. Wie sind Sie denn auf diese Veranstaltung aufmerksam geworden?

Eigentlich wollt ich meinen Bildungsurlaub dazu nutzten, mich vom beruflichen Stress zu erholen und viel zu singen. Ich habe Google befragt und bin dabei auf eine sehr ungewöhnliche Veranstaltung gestoßen: ein Chorwerk von Gjeilo, „Unicornis captivatur“, das Einhorn wird gefangen. Das Ganze sollte in der Katholischen Landvolkshochschule im Allgäu stattfinden. Alles sehr mysteriös, das hat mich interessiert!

2. Wie war das Anmeldeverfahren?

Völlig unproblematisch, aber auch irgendwie mysteriös, einige wurden genommen, andere nicht.

3. War die Anfahrtsbeschreibung gut, wie sind Sie hierhergekommen, mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln?

Ich bin gemäß Beschreibung mit der Bahn bis nach Füssen gekommen. Am Busbahnhof stand ein riesiger Kontrabass neben einem jungen Mann und da wusste ich: folge dem Bass und du wirst die Landvolkshochschule nicht verfehlen!
Die Busfahrt war wunderschön, sie führte vorbei an einem echten Märchenschloss, Schloss Neuschwanstein, und ob Sie es glauben oder nicht, ich meinte dort ein rosa Einhorn im Wald stehen zu sehen! Alles sehr mysteriös. Nun, ich folgte dem Kontrabass und schließlich wuchteten der Musiker seinen Kontrabass und ich meinen Rollkoffer den Allgäuer Hügel zur Landvolkshochschule hinauf.

4. Wie wurden Sie an der Rezeption empfangen?

Ich wurde sehr freundlich empfangen, aber ich wunderte mich über die vielen jungen und älteren Menschen, die sich laut und freudig begrüßten und sich alle um den Hals fielen. Alle schienen sich seit Jahren zu kennen und sie hatten sich sehr viel zu erzählen.
Wie sich später herausstellte, gehörten sie alle zu Gruppe der Bekennenden Wiesianer vom Typ 4

5. (Irritiert) Wiesianer? Ich kenne Wagnerianer, aber von Wiesianern habe ich noch nie gehört. Wodurch zeichnet sich denn ein Wiesianer aus?

Nun, im Laufe der Woche habe ich festgestellt: Der Wiesianer ist sehr freundlich, extrem musikalisch und ökumenisch ausgerichtet. Er ist immer wach und scheint frühmorgens die Sangesfreude der Lerche und nachts die Wachheit der Eule problemlos miteinander zu verbinden.
Alle Wiesianer können immer noch problemlos mit dem Münztelefon umgehen. Sie haben auch immer ein paar Eurostücke in der Tasche und wenn nicht, müssen sie kühl entscheiden: Kaffee ? oder Telefonieren? Natürlich gibt es auch einen Anschluss an das World-Wide-Web, aber, WELAN war manchmal da, meistens aber nicht. Auch das sehr mysteriös.

6. Waren Sie zufrieden mit dem Speiseangebot?

Nun, der Wiesianer ißt gerne und häufig, und hier wird auf alle seine Bedürfnisse eingegangen. Entsprechend vielfältig ist das Essensangebot:
Es gibt gutes, regionales bayrisches Essen
Es gibt natürlich Vollwertkost mit einem leckeren Frischkornbrei am Morgen
Es gibt vegetarisches Essen
Es gibt veganes Essen
Es gibt laktosefreies Essen
Und es gibt glutenfreies Essen
Krisch anzumerken hätte ich allerdings, dass es kein halal und koscheres Essen gab.

7. An welchem Projekt habe Sie teilgenommen und welche Erfahrungen konnten Sie dort gewinnen?

Ich war im Chorprojekt, im Sopran. Als sich der neue Dirigent vorstellte, habe ich gedacht: Wow, die haben David Garrett als Chorleiter verpflichtet……war er natürlich nicht, aber wir hatten einen jungen, dynamischen, rhythmussicheren attraktiven Chorleiter, einen Musiker aus Leidenschaft. Der machte alles mit Links. Das sah sehr locker und entspannt aus, dachte ich. Aber das war ein Irrtum.

8. Wieso ein Irrtum, war er nicht gut qualifiziert?

Das kann ich nicht beurteilen, aber seine Methoden erschienen mir unorthodox. Er erklärte uns den musikalischen Aufbau eines guten Chores:
Der BASS bringt die männliche Kraft und führt. Der TENOR bringt Glanz und Brillanz in den Klang. Der ALT rundet das Fundament mit einem nicht zu dunkel eingefärbten Klang ab. Und der SOPRAN soll blond, zart, schlank und strahlend darüber liegen.
Und dann wurde es richtig verwirrend. Er erklärte uns den Quintensprung und wie wichtig der sei, um einen Quantensprung in Chorklang zu erreichen
Und dann sprangen wir von Takt zu Takt, hin und zurück, mal mit Zahlenangaben, mal mit Buchstabenangaben, dann wieder mit Nummern und Seitenzahlen, das Ganze folgte einem mysteriösen Buchstaben- und Zahlensystem, undurchschaubar wie die Kabala.

9. Wirklich sehr mysteriös

Und dann waren die Notenblätter vertauscht und wir mussten die Seiten während des Singens vor- und wieder zurückblättern!
Und dann mussten wir auf unsere Stühle steigen und schwindelnd singen!
Und dann sollten wird das Halleluja vorwärts und rückwärts singen!! Spätestens hier war mir klar, dass dies keine entspannte Fortbildungswoche werden würde.

10. (streng) Nun dies ist doch nicht nur Spass, dies ist eine vom Steuerzahler mitfinanzierte Veranstaltung!

Sie haben ja Recht, aber damit waren die Quälereien noch nicht am Ende! Als Krönung wurden wir dann zu einer gemischten Aufstellung verdammt und sollten vereinzelt und völlig alleine im Halbdunkel der Kapelle singen!!
Erst jetzt wurde mir das hinter allem stehende pädagogische Konzept klar: Ich sollte endlich die Noten aus der Hand legen und auswendig singen!!!!!

11. (zufrieden) Nun, dann war dies doch eine sehr erfolgreiche Veranstaltung.

Aber das war noch immer nicht das Ende:
Als ich da so stand, Singend, im Halbdunkel, schwankend, alleine, den Quintenpfeil vor meinem inneren Auge, da hatte ich tatsächlich eine Vision:
Ich meinte, ich sähe ein kleines rosa Einhorn, auf dem Altar sitzend, und darüber kreiste eine Fledermaus!!!!! Alles alles sehr mysteriös

12. (sich wieder sammelnd) Nun, das ist ja in der Tat sehr mysteriös, wie aber würden Sie nun zusammenfassend die Veranstaltung beurteilen?

Nun, ich als Sopranistin, blond, zart, schlank, jung und strahlend (tatsächlich 63 Jahre alt, weißhaarig und übergewichtig)………………möchte sagen:

Volle Punktzahl!