Zum Ausdrucken und Nachlesen als PDF-Datei
Bild "KtK_2018_1.jpg"
Kunst trifft Kunst mündet in der Regel in einem Gottesdienst, meist in einer naheliegenden Gemeinde, wo wir dann mit unseren geübten Stücken die Feier mitgestalten dürfen. In diesem Jahr war es etwas anders und etwas Besonderes: Günter Lesinski, der geistliche Leiter von Haus Werdenfels, in dem wir 4 Tage lang Gäste waren, hatte sich bereiterklärt, mit unserer Gruppe in der hauseigenen Kirche Eucharistie zu feiern.



Bild "KtK_2018_2.jpg"
Gleich zu Anfang lud er uns ein noch einmal ein, vor die Kirchentür zu gehen, um den Weg, den der moderne Kirchenbau geht, bewusst mitvollziehen zu können. Wir traten ein unter einem regenbogenfarbigen Fenster, das gleich zu Anfang die alte Zusage Gottes an die Menschen aktualisierte: Ich bin mit Euch! Hinter der Tür kamen wir in einen kleinen und niedrigen Raum, in dessen Mitte ein schwarzer gespaltener Stein stand: Symbol für das Leben vieler Menschen: dunkel, hart, zerbrochen, eine Projektionsobjekt für all die dunklen Erfahrungen, die Menschen auch in den Kirchenraum mitnehmen. Doch ein erleuchtetes Jesusbild direkt über dem Stein gab Kunde von seiner Gegenwart und Nähe: Du bist nicht allein, ich sehe dich und dein Leben. Und innerhalb des Steinrisses floss Wasser, ein Zeichen des Lebens mitten im toten Stein.



Bild "KtK_2018_3.jpg"
Und dann verließen wir diesen engen Raum und bei den ersten Schritten in den Kirchenraum zog es unsere Blicke unwillkürlich nach oben. Was für ein Erlebnis: nach der etwas beklemmenden Erfahrung im Vorraum öffnete sich auf einmal der Himmel. Die steil nach oben gehende dreieckige Front ließ durch die seitlichen Fenster viel Licht in den Raum. Hatte die dreieckige Front des Raums ihre Spitze oben und war damit ein Zeichen des Weges, der von unten nach oben, von der Erde in den Himmel führt, war der davorstehende Altar die Umkehrung: Eine auf der Spitze stehende Pyramide, die das Gegenbild symbolisierte: Die Herabkunft des Himmels auf die Erde, die sich in der Geburt Jesu ereignet hat und auf dem Altar gegenwärtig wird.



Bild "KtK_2018_1.jpg"
Nachdem wir in den Tagen zuvor die Bedeutung des Lichts in romanischen und gotischen Kirchen erlebt hatten, gab es nun auch in diesem Raum ein kleines Lichtwunder: Die vorübergehende Sonne, ein altes Symbol für den Auferstandenen, brach ihre Strahlen durch die Fensterprismen und warf Regenbogenfarben an die  weißen Wände der Kirche. Und damit noch einmal die bereits beim Eingang erlebte Zusage Gottes: Ich bin mit Euch.



Bild "KtK_2018_4.jpg"
Diese alte Botschaft wurde durch das Licht und die Farben des Regenbogens neu erfahrbar und in anderer Weise durch die Musik spürbar: Wir sangen „Morgenstern der finstern Nacht“, ein Lied, das Christus als den Lichtbringer preist und ihn bittet, auch unsere Herzen zu erleuchten.

Für mich war dieser Gottesdienst die Essenz von Kunst trifft Kunst: Wir erleben Räume und versuchen ihre spirituelle Dimension zu deuten. Das geschieht in Erklärungen kunsthistorischer und theologischer Art.
Darüber hinaus füllen wir diese Räume mit Musik, die eine weitere Dimension erschließt. So werden unsere kleinen Wege  zu Begegnung mit den verschiedenen Künsten, mit verschiedenen Erscheinungsweisen Gottes in unserer Welt in verschiedenen Zeiten und mit verschiedenen Menschen, die diesen Weg für vier Tage miteinander gehen.




Hubert Pfeil
Bildrechte: Archiv Haus Werdenfels