... für alte Hasen - Seddiner See 2009


In der frisch renovierten und erweiterten Heimvolkshochschule "Seddiner See" fanden sich auch in diesem Jahr "alte Hasen mit alten Instrumenten" um der "alten Musik" zu fröhnen.

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Die "Märkische Allgemeine Zeitung" schreibt dazu am 28.10.2009:


"Im neuen Tagungshaus auf dem Gelände der Heimvolkshochschule am Seddiner See wird in diesen Tagen eifrig gegeigt, posaunt und gezupft. Die bundesweit und ökumenisch orientierte Werkgemeinschaft Musik hält im jüngst erst fertiggestellten gläsernen Schulungsgebäude eine Chor- und Orchesterwoche unter dem Motto „Alte Musik für alte Hasen auf alten Instrumenten“ ab."

Auch Heimleiter Klaus Benthin war begeistert und äußerte den Wunsch "...den gemeinnützigen Verein (Werkgemeinschaft Musik, d.Red) auch in unserer Region noch etwas bekannter (zu) machen“.

Den Original-Artikel finden Sie in der Märkischen Allgemeinen Zeitung

Aber natürlich hat auch Frau Redzich wieder einen kurzweiligen Bericht geschrieben - viel Vergnügen beim Lesen:

Alte Musik für alte Hasen auf alten Instrumenten - zum 2. Mal


Am 23. 10. 2009 begrüßte man wieder einmal alte Bekannte und erfreulicher Weise auch neu Hinzugekommene, die entweder durch Mundpropaganda neugierig geworden waren oder auch nur aus Interesse am Programm den Weg in die ‚Neuen Länder' fanden. Am Seddiner See trafen sich zum zweiten Mal ‚Alte Hasen', um miteinander zu musizieren. Wie zu hören war, wurde von Einigen, die wohl auch hätten teilnehmen wollen, der Titel der Veranstaltung - ‚alte Hasen' - nur altersbezogen verstanden, ein totales Missverständnis, dem im nächsten Jahr Rechnung getragen wird. Dann heißt es nur noch: ‚Alte Musik am Seddiner See'.

Schnell waren die schönen, gepflegten Zimmer bezogen und es ging zum Abendessen. Alles wie voriges Jahr, gut, reichlich und schön angerichtet, so dass auch das Auge mitgenießen konnte.

Doch ganz stimmte es nicht "ganz wie im vorigen Jahr". Da, wo im vergangenen Jahr gebuddelt wurde, stand in diesem Jahr ein neues, großes Seminargebäude, das für solche Veranstaltungen bestens geeignet ist. Es bietet Raum für ca. 200 Teilnehmer, ist mit aller modernen Technik ausgestattet, gut ausgeleuchtet und lädt sowohl zum Musizieren wie auch zum Tanz geradezu ein. Wir genossen es gleich bei der ersten Probe nach dem Abendessen.

Das Programm war groß für die kurz bemessenen 5 Tage. Und da die Anreise am Freitagabend war, so gab es einiges zu tun, um uns am Sonntag in St. Peter und Paul in Potsdam nicht zu blamieren. Wir schafften es immerhin, aus der Missa super "Ave maris stella" von Tomás Luis de Victoria das ‚Kyrie' und das ‚Agnus Dei' einzustudieren, dazu noch die im Wechsel mit der Gemeinde gesungenen Lieder ‚Nun lobet Gott im hohen Thron' im Satz von Conrad Hagius/Michael Witt und ‚Nun singe Lob, du Christenheit' im Satz von Johann Crüger.

Für das in Treuenbrietzen angekündigte Abschlusskonzert waren dann noch Schein/Lechner: ‚Christ, der du bist der helle Tag', Heinrich Schützens ‚Deutsches Magnificat' SWV 494 (doppelchörig), Samual Scheidts ‚Duo Seraphim clamabant' und Michael Praetorius' ‚Vater unser im Himmelreich' (dreichörig) einzustudieren. Claudio Monteverdis Hymnus ,Ave maris stella' aus seiner Marienvesper wurde dem Programm vorangestellt, um die Melodie vorzustellen, die Victoria in seiner Messe immer wieder aufleuchten lässt. Ein Programm, das einem zunächst den Atem verschlägt, aber wir haben es geschafft dank intensiver Arbeit. Wir waren wohl wirklich außergewöhnlich aufmerksam, denn - nicht gerade alltäglich - Herr Witt lobte uns für unsere Konzentration.

Wenn jetzt jemand denkt, wir hätten nur geschuftet - weit gefehlt. Nach dem Kaffee am Nachmittag hatte man die Möglichkeit, an Arbeitskreisen teilzunehmen oder sich die Gegend näher anzusehen. Der Seddiner See bietet, verbunden mit der schönen Herbstfärbung des Laubes, wunderbare Ausblicke. Man kann sogar in ca. 2 Stunden um den ganzen See wandern, wenn man denn den richtigen Weg wählt, aber man kann sich auch ‚vergehen', wie es einem unserer Bässe erging, der dann (er hatte an einer Stelle den falschen Abzweig genommen) eine Wanderung von ca. 20 km in 3 ½ Stunden zurücklegte (eine enorme Leistung). Er wurde schon im Arbeitskreis vermisst und fehlte auch noch beim Anfang der Spätnachmittagsprobe, aber dann erschien er, zwar sichtlich erschöpft, aber wohlbehalten zu unserer allgemeinen Erleichterung.

Im Anschluss an die Gesamtprobe nach dem Abendessen gab es wieder Tanz. Wir hatten in diesem Jahr nicht genug Teilnehmer, um den Tanzmeister vom Vorjahr, Norbert Schilke, wieder als Referenten einbeziehen zu können (hoffentlich ändert sich das im nächsten Jahr wieder), aber das Glück, dass uns Barbara Schmitt mit ihrer über 40jährigen Werkgemeinschaftserfahrung wunderschöne Tänze beibrachte. Nach so einem Tag voller Chorproben und so gutem Essen ist Bewegung einfach notwendig. Und sie hat uns mit ihrem Talent, ruhig und einfühlsam zu erklären und grazil vorzutanzen, schöne Abendstunden bereitet - sogar eine Pavane haben wir (mit der dazugehörigen Originalmusik, ein Dankeschön an unsere alten Instumente) einigermaßen stilvoll zustandegebracht.

Nach den mitunter auch recht lebhaften Bewegungen und dem vielen Singen, da gab es nur noch eins: Bierstübchen. ‚Hier darf man selber zapfen!' Da traf man sich dann bei Bier oder Wein oder auch nur Wasser bei tiefschürfenden und weniger tiefschürfenden Gesprächen, man lernte die ‚Neuen' besser kennen, schloss neue Freundschaften und konnte - je nach Stehvermögen oder Lust und Laune - früh morgens zu Bett gehen oder auch schon mal noch am selben Tag.

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In Treuenbrietzen (ein Ort, der mir bis dahin nur durch das Lied ‚Sabinchen war ein Frauenzimmer' bekannt war) hatten wir noch das Glück, die Marienkirche aus dem 12. Jhd. besichtigen zu können, in der man noch sowohl gotische, als auch romanische Baustile erkennen kann. Vor der Kirche steht eine alte Linder, unter der Martin Luther gepredigt haben soll und die nun den Namen "Lutherlinde" trägt. Die total restaurierte Wagner-Orgel der Kirche wurde uns vorgeführt, ein schönes Klangerlebnis, nur etwas getrübt durch die eisige Kälte, die die ganze Kirche jetzt schon im Oktober ausstrahlt.


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Die kath. Nicolai-Kirche, ebenfalls aus dem 12. Jhd., atmete wenig mehr Wärme aus, so dass sich die Antwort auf die Frage nach der Kleiderordnung beim Konzert, die Herr Witt gab, als nur zu gerechtfertigt erwies. Er sagte nämlich kurz und knapp: "Warm". Trotz der wenigen Zuhörer war es ein schönes Konzert, immer wieder ist es ein Erlebnis, das Ergebnis von wenn auch nur 5 Tagen Arbeit zu hören. Und der Funken zusätzlichen Adrenalins, wenn es zum Konzert kommt, bringt dann doch zustande, was man vorher nicht für möglich gehalten hat.


Mittwoch nach dem Frühstück fand dann unsere gemeinsame Abschlussandacht statt. Herr Witt hatte einen wunderbar passenden Andachtstext ausgewählt, die ‚Andacht über das Gebet des Herrn'. Nach jeder Bitte sagen wir die entsprechende Passage aus der Praetorius-Komposition, die wir ja eingeübt hatten. Es war ein immer wieder anrührendes Zusammensein: miteinander zu beten und zu singen voller Dankbarkeit und Freude.

Zum Schluss noch etwas Besonderes, was ich keinem vorenthalten möchte: Martin Neitzels Limericks zu unseren Chor- und Instrumentaltagen am Seddiner See:

Es entlockt der 40köpfigen Menge
Michael Witt - weder mit Strenge
noch strafendem Blick -
ist das ein Glück!
recht schnell ganz brauchbare Klänge.

Sonntag früh sind wir gleich nicht faul
und gelangen per spritfressendem Gaul,
staufrei - glatt
nach Potsdam Stadt
zur Kirche St. Peter und Paul.

Der Chor singt mal, ich weiß nicht, wo,
es klingt wie "in dulci jubilo",
nein - im Benedictus
ist erfordertes Muß
"sempre intensivissiomo".

Zur Messe nach kurzer Probe,
bleiben wir in warmer Garderobe,
denn es ist halt
ein bisschen kalt,
und musizieren zu des Höchsten Lobe.

Die Bläser werden von Zeit zu Zeit
von Hans-Martin sehr gut betreut
als Instrukteur
mit gutem Gehör;
wir profitieren von seiner Beschlagenheit.

Dienstag wird es endlich Zeit
für ein krönendes Highlight,
gespielt und gesungen,
von Eifer durchdrungen,
von Michael Witt souverän betreut.

Ab und zu und gelegentlich
gibt's Töne, die widersetzen sich
der Stimmung und bleiben ‚defekt',
die werden "versteckt",
dann stör'n sie wenigstens nicht, hoffentlich!

Ob und wie alle Töne schon sitzen,
lassen wir hör'n in Treunbrietzen;
wir strengen uns an
so gut man's kann;
dennoch kommen wir nicht ins Schwitzen.

Das will ich auch mal sagen,
scheinbar mühelos und ohne Verzagen,
gar nicht zimperlich
mit treffsicherem Strich,
hören wir die Gamben in allen Lagen.

Am Ende von fünf schönen Tagen
möchte ich allen, die hier beigetragen
zum Gelingen,
vor allen Dingen
Michael Witt, herzlich Danke sagen.


Den letzten Worten kann ich nur voll zustimmen. Was da an Vorarbeit geleistet worden ist, z.B. jedem Teilnehmer die Noten zukommen zu lassen, die ihn betrafen, eine genaue Aufstellung für die Sänger (immerhin mussten wir mit wenigen Sängern dreichörig singen), alle Ortsbesichtigungen für Konzert und Absprache mit den Kirchen, das hat Arbeit bedeutet, die nicht zu unterschätzen ist. DANKE!

Gerlinde Redzich