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Wie vor zehn Jahren den Siebzigjährigen, so sieht man dem langjährigen und erfolgreichen Geschäftsführer und Vorsitzenden der Werkgemeinschaft Dr. Heinz Bremer nun sogar auch den Achtzigjährigen so wenig an, dass man kaum glauben möchte, dass auch er in den beiden letzten Kriegsjahren noch Arbeits- und Wehrdienst hat leisten müssen. Und doch ist er nun unbezweifelbar ein Achtziger, denn am 27.12.1927 wurde er in Düsseldorf geboren, wo er bis heute ansässig blieb. Er wuchs in einem musikalisch sehr aktiven, singfreudigen Elternhaus auf und absolvierte - weil Kriegsdienst und erste Nachkriegszeit anderes zunächst nicht zuließen - eine Kaufmannslehre, nach der er für zwei Jahre bei Mannesmann tätig war. Da er aber eigentlich Lehrer hatte werden wollen, erwarb er nach erfolgreicher "Begabten-Sonderprüfung" über den zweiten Bildungsweg die notwendigen Studienvoraussetzungen und wurde an der Pädagogischen Akademie Essen zum Grund- und Hauptschullehrer ausgebildet. Nach seiner ersten Lehramtsprüfung 1951 und der zweiten Prüfung 1956, über die hinaus er im gleichen Jahr noch das Montessori-Diplom erwarb - die Basis auch seiner in den Mitteilungen der Deutschen Montessori-Gesellschaft und in den Montessori-Werkbriefen veröffentlichten Aufsätze zur Montessoripädagogik - , war er dann für insgesamt 18 Jahre in seiner Heimatstadt Düsseldorf im Schuldienst tätig..

Aber sein beruflicher Weg führte ihn darüber hinaus: Vorgeprägt durch frühe Chor-, Chorleiter- und Instrumental-Erfahrungen - letztere vor allem als Lautenist und Gitarrist (er war Schüler des bedeutenden Lautenisten Walter Gerwig) - und zusätzlich qualifiziert durch Kurse der Werkgemeinschaft Lied und Musik wie durch seine Musikausbildung an der Pädagogischen Akademie mit ergänzenden Lehrerfortbildungen und durch ein mit Musikerzieher-Diplom abgeschlossenes Studium am Seminar für Volks- und Jugendmusik der Kölner Musikhochschule, begann er 1966 - inzwischen Vater von 5 Kindern - neben dem Schuldienst noch ein Studium in Musikwissenschaft, Pädagogik und Psychologie an der Universität Köln. 1969 als Förderassistent an die Pädagogische Hochschule Duisburg abgeordnet, wurde er 1974 - nach externem Erwerb des Großen Latinum an der Kölner Universität - mit einer Dissertation über "Musikunterricht und Musikpflege an den niederrheinischen Lateinschulen im Späthumanismus" bei Prof. Dr. Klaus Wolfgang Niemöller zum Dr. phil. promoviert. Ihren Förderassistenten ernannte die Duisburger Hochschule daraufhin zum Wissenschaftlichen Assistenten, vier Jahre später zum Akademischen Rat und 1989 zum Akademischen Oberrat seines inzwischen in die Universität/Gesamthochschule Duisburg integrierten Fachbereichs, in dem er für die Ausbildung eines qualifizierten Musiklehrer-Nachwuchses für die Primarstufe und die Sekundarstufe I im musikwissenschaftlichen, didaktischen und künstlerischen Bereich mitverantwortlich war und sehr erfolgreich wirkte. Auch Aufsätze zu musikpädagogischen Themen aus seiner Feder erschienen u.a. in der "Neuen Musikzeitung" und in den "Informationen der Werkgemeinschaft Musik".

Obwohl Heinz Bremer Ende 1992 die Altersgrenze erreichte, wurde aus ihm nun alles andere als ein typischer "Rentner" oder gar"Ruheständler" - im Gegenteil: Für ihn verlagerte sich zwar das Tätigkeitsfeld ein wenig; aber künstlerisch engagierter Musikpädagoge und Lehrender ist er - neben zahlreichen ehrenamtlichen sozialen und kirchlichen Leitungsfunktionen u.a. im Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand, in der Montessori-Bewegung, in Fördervereinen und Behindertennorganisationen - bis vor wenigen Jahren in fast unvermindertem Umfang geblieben. So war er der Duisburger Universität zunächst noch für zwei Jahre als Lehrbeauftragter verbunden, der u.a. durch Weiterführung seiner effektiven Arbeit mit studentischen Vokal- und Instrumentalensembles dafür sorgte, dass der auch für die Universität Duisburg damals einschneidende Verlust des Faches Musik zumindest "abgefedert" wurde. Es spricht für den Erfolg seiner Arbeit, dass sein Studentenchor, mit dem er von Bach-Kantaten, Schütz- und Mendelssohn-Motetten bis hin zu Orffs "Carmina Burana", zu Schönberg-Sätzen und Dave Brubeck-Chorarrangements Werke der verschiedensten Stilepochen aufgeführt hatte und u.a. in Spanien gastierte, weiterhin besteht und - zunächst unter seiner Leitung, danach unter Klaus Andrees - auch im Hochschulrahmen bis heute aktiv weiterwirkt.

Als ebenfalls langjährig und nicht minder verdienstvoll ist hier ein weiteres Aktivitätsfeld Bremers außerhalb der Werkgemeinschaft zu nennen: sein sehr engagiertes ehrenamtliches Wirken für die Arbeitsgemeinschaft für rheinische Musikgeschichte, in deren Schriftenreihe 1976 als Band 110 schon seine Dissertation erschienen war: Zum einen betätigte er sich mehrfach als Referent der Jahrestagungen der Arbeitsgemeinschaft, was seinen Niederschlag unter anderem in entsprechenden Beiträgen zu den Tagungsbänden fand: 1981 zu Band 130 mit einer Arbeit über die Entwicklung der Schulmusik in Moers im 16. und 17. Jahrhundert und 1986 mit einer Untersuchung zur Musik an den Lehrerseminaren des Rheinlandes zwischen 1817 und 1850, veröffentlicht in Band 136. Hervorzuheben ist auch seine Herausgebertätigkeit für die Arbeitsgemeinschaft. Dem verdankt diese sowohl den Band 157 "Neue Musik im Rheinland. Bericht über die Jahrestagung Köln 1992", erschienen in Kassel 1996, als auch - von ihm mit besonders hohem zusätzlichen Arbeitseinsatz als Herausgeber und Verfasser von mehreren Artikeln erstellt - den lange ruhenden, erst von ihm erfolgreich abgeschlossenen 10. Band der wichtigen lexikographischen Publikationsreihe "Rheinische Musiker", der 1998 als Band 150 der Beiträge zur rheinischen Musikgeschichte veröffentlicht wurde. Dass Bremer außerdem seit Jahren die Finanzen der Arbeitsgemeinschaft verwaltet - und dies mit einer solchen Akribie und Zuverlässigkeit, dass auch andere Organisationen, wie unter anderem der Landesmusikrat NRW, ihn als Kassenprüfer hinzuzogen -, profitiert nicht allein davon, dass Heinz Bremer eben auch gelernter Kaufmann ist, sondern zeigt in besonderem Maße, dass er immer dann zu helfen und zu fördern bereit war und ist, wenn man seine Sachkenntnis, sein Verantwortungsbewusstsein, seinen guten Rat und seine Erfahrung benötigte. Mit solchen selten gewordenen Tugenden förderte und trug er daher ab 1982 auch die Vorstandsarbeit der Arbeitsgemeinschaft für rheinische Musikgeschichte auf wissenschaftlichem, publikatorischem wie verwaltungsmäßig-organisatorischem Sektor mit.

Was bereits neben dem Hochschuldienst viele Jahre zuvor begonnen hatte, das wurde, als er schließlich aufgrund seiner Pensionierung durch den immer begrenzteren Umfang und das Ende seiner Lehrtätigkeit zunehmend Zeit gewann, zum zentralsten Sektor seines engagierten ehrenamtlichen Einsatzes: die Übernahme von Leitungsfunktionen in der Werkgemeinschaft Musik, für die er ein ständig wachsendes Maß an Verantwortung auf sich nahm. Schon 1979 hatte er nach dem Tod ihres damaligen Vorsitzenden, des Theologen, Hymnologen, Musikwissenschaftlers und Kirchenmusikers Dr. Johannes Aengenvoort, auch offiziell das schon längst kommissarisch ausgeübte Amt eines Geschäftsführers übernommen und als solcher dafür gesorgt, dass die immer umfänglichere, bundessweit operierende Bildungsarbeit der bis heute mit ihrem Büro und Archiv im Jugendhaus Düsseldorf beheimateten Werkgemeinschaft, zu deren aktivem Mitgliederkern er schon seit deren Gründung im Jahr 1946 gehörte, organisatorisch bewältigt werden konnte. So war es nur konsequent, dass er 1994 zu deren Vorsitzendem gewählt wurde: ein Amt, das er dann 6 Jahre lang - über zwei Wahlperioden hinweg - innehatte und obendrein bis zur erstmaligen Installation und Berufung eines hauptamtlichen, aber in kurzen Zeitabständen noch zweimal personell wechselnden Geschäftsführers im Herbst 1998 auch noch mit dieser höchst arbeitsintensiven Funktion verband.

Unermüdlich pflegte er die Kontakte zu Ämtern und Behörden, die der Werkgemeinschaft Zuschüsse gewährten und bürgte immer wieder für die rechtmäßige Verwendung dieser Mittel; er intensivierte die Beziehung zu anderen Organisationen, die der Werkgemeinschaft freundschaftlich verbunden oder benachbart sind; er verhandelte mit Tagungshäusern und Referenten, organisierte und redigierte die Jahrespläne und die Einschreibungen zu den Tagungen und Werkwochen und sorgte dafür, dass die Verbindung zu den Mitgliedern der Werkgemeinschaft gepflegt wurde. Genauso lagen ihm die "Informationen" - das bis 2002 erschienene Periodikum derWerkgemeinschaft - am Herzen: Um den - wechselnden - Redakteuren die Arbeit zu erleichtern, unterstützte er sie darin, die Beiträge zusammen zu tragen; das Heft Nr. 54 gab er sogar selbst heraus, um trotz erneuter Vakanz in der Redaktion eine angemessene Dokumentation der 50-Jahrfeier der Werkgemeinschaft im Januar 1997 erscheinen zu lassen.

Über solch umfangreiche Verwaltungsarbeiten hinaus setzte sich Dr. Heinz Bremer für bestimmte Tagungen in besonderer Weise ein. So übernahm er nach dem Tod von J. Aengenvoort ab 1979 an dessen Stelle die Leitung der in der Zeit des DDR-Regimes so bedeutsamen jährlichen Tagungen "Kirchenmusik aktuell" - Begegnungstagungen Ost-West, die in Ostberlin und nach der Wende dann mehrfach auch andernorts - so u.a. in Erfurt, Altenberg, Ochsenhausen, Ilbenstadt, Essen und Magdeburg - stattfanden. Es gehörte vor der Wende einiger Mut dazu, sich den Unwägbarkeiten und Risiken, die solche Veranstaltungen für Kantoren im Kirchendienst in der DDR mit sich brachten, zu stellen. Wie bedeutend diese Tage für die damaligen Teilnehmer/innen aus dem Osten Deutschlands gewesen sind, erfahren wir heute noch aus dem Munde von Kirchenmusikern, die schon "damals" dabei waren.

Hinzu kam Bremers Bereitschaft, immer wieder auch als Chor- oder Orchesterleiter in der musikalischen Kursarbeit der Werkgemeinschaft aktiv und erfolgreich mitzuwirken und sie schließlich auch durch Einrichtung und Leitung einer neuen Woche sogar noch auszuweiten und zu intensivieren: 1995 erweiterte er das Angebot im Wies-Sommer um eine zusätzliche Chor- und Orchesterwoche, deren Leitung er in die Hand nahm, ohne seine Leitungsfunktionen in der Werkgemeinschaft dadurch beeinträchtigen zu lassen. Seinen Einsatz für die Werkgemeinschaft begrenzte Bremer allerdings auch nie auf einen festen Zeitaufwand - sein Engagement war ihm fast Lebensaufgabe: Unabhängig von festgelegten Bürozeiten führte er seine Telefon- oder Briefkontakte sowohl von der Geschäftsstelle als auch von zu Hause aus. Und selbst dann noch, nachdem dann ab Januar 2000 der Vorsitz der Werkgemeinschaft in andere Hände gelegte worden war, blieb Bremer als aktives Mitglied des Führungskreises "mit Rat und Tat" der Werkgemeinschaft weiterhin verbunden.

Neben diesen überwiegend dauerhaften Einsatzbereichen repräsentierte er die Werkgemeinschaft beim Katholikentag, engagierte sich bei den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Werkgemeinschaft, wählte ein neues Referententeam zwecks Einrichtung einer neuen Familientagung in Altenberg aus und erledigte so manche weitere Arbeit ohne großes Aufheben unbemerkt. Wie viele Abstriche er dabei in seinem Privatleben zu Gunsten der Werkgemeinschaft gemacht hat, können wir ebenso wenig einschätzen wie das Ausmaß dessen, wie viele Jahre seines Lebens - würde man die Stunden einmal zusammenrechnen, die er in weitestem Sinne und eben überwiegend ehrenamtlich für die Werkgemeinschaft tätig war - seine Arbeit als Vorsitzender, Bürochef, Finanzverwalter, Verbandsvertreter, Tagungsleiter, Referent, Kursleiter und Organisator im ganzen umfasst und was die Werkgemeinschaft dieser Arbeit verdankt.

Für sein uneigennütziges, langjähriges Engagement, mit dem er die Umsetzung der musikalischen wie der religiösen Ziele der Werkgemeinschaft nachhaltig förderte, sagen wir ihm sehr herzlichen Dank. Wir wünschen ihm Gottes Segen für die vor ihm liegende Zeit und hoffen, dass er sie entspannt genießen und sich noch lange mit Dingen beschäftigen kann, die er "immer schon" tun wollte.

Wilhelm Schepping und Ursula Bongard